Aus der Geschichte lernen? Warum wir damit schnell sein sollten

Leben im 21. Jahrhundert - Veröffentlich am 19. Jun 2021 von Niels

Schon öfter habe ich die Frage gehört, ob die Menschheit denn tatsächlich aus der Geschichte lernen könne. Zeigen uns die momentanen Kriege und Katastrophen auf der Welt nicht, dass wir nichts gelernt haben? Ja und nein. Wir haben in den letzten 5000 Jahren viel dazu gelernt – es könnte aber dennoch zu wenig sein, um uns noch zu retten.

Wir – eine Typ 1 Zivilisation

In 100 bis 200 Jahren wird es soweit sein: Die Menschheit erreicht dann vermutlich den Status einer Typ 1 Zivilisation nach der Kardaschow-Skala. Zu diesem Zeitpunkt werden wir nämlich die gesamte Energie unseres Planeten nutzen können – das ist die einzige Voraussetzung um eine Zivilisation Typ 1 zu sein. Momentan befinden wir uns auf der Skala ca. bei 0,7.
Zum Vergleich Typ 2 Zivilisationen können die gesamte Energie ihres Sonnensystems nutzen und Typ 3 die gesamte Energie ihrer Galaxie. Von diesen beiden Stadien sind wir noch sehr weit enfernt.

Level 1 Zivilisation - Aus der Geschichte lernen

Das Problem an der Entwicklung zur Typ 1 Zivilisation ist nur, dass mit soviel Energie auch eine verdammt große Verantwortung auf die Menschheit zu kommt. Vielleicht sogar zu viel Verantwortung.

Der große Filter

Es ist schon ein spannender Gedanke, dass wir tatsächlich in nicht allzu ferner Zukunft den Status einer Typ 1 Zivilisation erreichen werden. Überleg‘ doch mal, was dann alles möglich sein wird.
Doch warum haben wir keinerlei Hinweise auf andere Zivilisationen, die Typ 1 erreicht haben? Kann es sein, dass wir die einzigen sind? Immerhin müssten wir doch Signale davon aus dem All auffangen.

Nach der Theorie des großen Filters ist es . Diese besagt nämlich, dass eine Zivilisation mit Typ 1 auch den Punkt erreicht, an dem sie am wahrscheinlichsten ausstirbt. Und dafür kann es mehrere Gründe geben:

  1. Selbstauslöschung
  2. Zu hoher Energieverbrauch
  3. Auslöschung durch eine andere Zivilisation

Während die dritte Variante eher unwahrscheinlich ist, wächst die Bedrohung durch die anderen beiden Szenarien jedes Jahr an.

Mehr Energie, mehr Zerstörungskraft

Heute ist es noch möglich, dass sich zwei Länder mit Raketen beschießen. In 100 bis 200 Jahren jedoch könnte so ein Konflikt – egal wo auf der Welt – uns für immer auslöschen. Nicht nur werden die Waffen der Zukunft eine größere Zerstörungskraft haben, auch jeder einzelne Mensch auf der Welt wird dann über viel mehr Energie verfügen, die auch für die Zerstörung genutzt werden kann.

Ein regionaler Konflikt, wie der zwischen Isreal und Palästina, würde in der Zukunft verherende Folgen haben. Denn mit fortschreitender Entwickung werden die älteren Technologien immer leichter zugänglich. Vor 75 Jahren zum Beispiel wurden während des Zweiten Weltkriegs die ersten Kurzstreckenraketen (die V1 und V2) erprobt. Heute werden diese in Konflikten rund um die Welt eingesetzt und teilweise mit primitiven Mitteln aus Handarbeit gefertigt (wie z.B. die palästinensische Kassam-Rakete).

Doch das gilt nicht nur für militärische und paramilitärische Konflikte, sondern auch für einzelne Zivilpersonen. Ein Terroranschlag, wie der in Nizza 2016, würde in der Zukunft noch viel mehr Menschenleben kosten, da die Fahrzeuge über weit mehr Energie verfügen werden. Vor 200 Jahren wäre so ein Terroranschlag hingegen überhaupt nicht möglich gewesen.

Die Umwelt im Unglück

Heute ist es noch möglich aus Bequemlichkeit die Umwelt zu belasten und unbedacht Energie zu verbrauchen. In 100 bis 200 Jahren jedoch könnte das bereits das Ende unserer Existenz bedeuten. Einzelne Firmen werden zu diesem Zeitpunkt über so viel Energie verfügen, dass sie das Klima in kürzester Zeit nachhaltig schädigen können.

Eine Umweltkatastrophe, wie das Tankerunglück der Exxon Valdez 1989, könnte in der Zukunft irreparable Schäden an unserem Planeten verursachen. Vor allem, wenn die Unternehmen keinerlei Verantwortung für die Zerstörung übernehmen, wie das bei Exxon Valdez der Fall war.

Heute ist es noch möglich aus Unachtsamkeit einen Reaktor-Unfall zu riskieren. In 100 bis 200 Jahren könnte aber auch das zu unserem Ende führen. Denn auch die Kraftwerke werden in den nächsten Jahren immer leistungsfähiger.
Ein unkontrollierter Kernreaktor, wie z.B. bei Fukushima 2011, wäre im nächsten Jahrhundert eine massive Bedrohung für den gesamten Planeten.

Das bedeutet für eine Typ 1 Zivilisation, dass sie sich weit weniger Fehler erlauben darf.

Point of no return

Der Punkt, an dem wir als Zivilisation zur sofortigen Selbstauslöschung oder übermäßigen Energieverschwendung fähig sind, ist teilweise bereits heute schon erreicht. Der Abwurf der Atombombe 1945 hat unser Leben für immer verändert, da es nach einem Atomkrieg – anders als bei früheren total-geführten Kriegen – kein Zurück mehr gibt.

Ebenso wir können die Entdeckung der Kernenergie selbst und damit die Existenz der Atombombe nicht mehr rückgängig machen. Und genauso werden wir die Entwicklung von DeepLearning Systemen und Crypto-Währungen nicht mehr ungeschehen machen können. Es bringt also nicht viel sich über diese Entwicklungen zu beklagen. Viel mehr müssen wir als Menschheit lernen damit umzugehen und uns entscheiden, wie wir eigentlich leben wollen.

Aus der Geschichte für das 21. Jahrhundert lernen

Keine der Erfindungen ist im Grund gut oder schlecht. Sie sind einfach Teil unseres Lebens geworden und wir müssen das berücksichtigen. Du hier können wir bereits aus der Geschichte lernen. Denn es ist nicht das erste Mal, dass sich die Welt verändert. Und wir sind nicht die ersten, die sich fragen, wie sie mit Veränderungen umgehen sollen.

Wo anfangen?

Die hier geschilderte Zukunftsvision mag einige vielleicht verschrecken, da sie ein sehr düsteres Bild zeichnet. Doch dem ist gar nicht so: Die Zukunft sieht durchaus rosig aus, wenn wir uns die richtigen Fragen zur richtigen Zeit stellen.

Da in einer Typ 1 Zivilisation jeder einzelne eine viel größere Verantwortung für die Lebenwesen auf dem Planeten und sogar den Planeten selbst trägt, dann müssen wir auch ein Bewusstsein dafür schaffen und zu aller erst unsere Art der Konfliktaustragung verändern. Du bei welchem Konflikt und welchen Leuten sollen wir da beginnen?

Der Motivations- und Life-Coach Christian Bischoff stellt sich in seinem Buch Bewusstheit ähnliche Fragen und kommt zu dem Schluss, dass sich die Welt nur befrieden lässt, indem wir jeden Kontinant befrieden. Dafür müssen wir jedes Land befrieden. Das wiederum bedeutet vorher jede Stadt und damit auch jeden Haushalt zu befrieden. Und damit jeder Haushalt friedlich leben kann, muss jeder einzelne an sich selbst arbeiten und Frieden schätzen lernen.
Das mag im ersten Moment etwas unsexy klingen, ist aber vermutlich die einzige Möglichkeit als Level 1 Zivilisation nicht unterzugehen.

Auf der anderen Seite ist es unglaublich spannend und erfüllend, sich mit sich selbst zu beschäftigen.

An dieser Stelle kann uns die Geschichte unglaublich schnell weiterhelfen, wenn wir wissen, wie wir aus ihr lernen. Die Geschichte ist immerhin eine Art Protokoll unserer Erfolge und Fehlschläge. Es sind 5000 Jahre in denen Menschen versucht haben alle möglichen Fragen zu stellen und zu lösen.

Glaubst du, es gibt ein Problem, das noch niemand je zuvor in der Weltgeschichte hatte?

Natürlich gibt es heute neue Herausforderungen, wie die stetige Online-Präsenz oder Soziale Medien. Bei genauerer Betrachtung sind aber nur die Details verändert – das Grundproblem von mangelndem Fokus und Überarbeitung ist alles andere als neu. Und es gibt eine Vielzahl von Menschen, die im Laufe der Geschichte Lösungen für diese Herausforderungen gefunden haben.

Aus der Geschichte lernen wir bereits

Die gute Nachricht ist, dass die Menschheit immer friedlicher, empathischer und selbstreflektierter wird. In den letzten 100 Jahren ist die Zahl der Menschen, die an Krieg oder Hunger gestorben sind, stark zurückgegangen. Ebenso wünschen sich heute auch viel weniger Menschen einen Konflikt oder lassen sich dazu manipulieren. Wir haben gelernt, dass es kaum möglich ist, tatsälich von einem Konflikt zu profitieren – vor allem mit den heutigen Möglichkeiten.

Es geht uns heute auch materiell besser als jemals zuvor. In den letzten 100 Jahren hat die Anzahl der Menschen, die in Armut leben müssen, rapide abgenommen. Natürlich gilt das nicht für alle Regionen gleichermaßen, sondern im weltweiten Durchschnitt.

Für das 21. Jahrhundert lernen

Trotz der positiven Entwicklungen in der Welt sind geht es den Menschen aber nicht unbedingt mental besser. Immer mehr Menschen in der modernen Welt werden depressiv oder sind zumindest mit ihrer Situation unzufrieden.

Unsere Herausforderung für das 21. Jahrhundert wird es sein, dass wir aus der Geschichte lernen und dieses Wissen jeden einzelnen leicht zugänglich und umsetzbar zu machen. Denn die Antworten auf die großen Fragen der kommenden Jahrzehnte sind großteils schon gefunden worden. Sie verstecken sich in der antiken Philosophie ebenso wie in den Kriegen des 20. Jahrhunderts.

Wir haben über 5000 Jahre der Entwicklung und Problemlösung hinter uns. Natürlich finden wir dort keine Antworten auf den Bau eines Nano-Computers oder die Programmierung einer KI. Sehr wohl aber auf die Fragen zur inneren Ruhe, zur Gerechtigkeit oder zum friedlichen Zusammenleben.

Über den Autor Niels

Wir werden in den nächsten Jahren ein rasante Veränderung unserer Lebenswelt erfahren. Es wird daher Zeit sich mit diesen Entwicklungen auseinanderzusetzen und die wichtigen Skills für das 21. Jahrhundert zu lernen!

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